
Eins vorneweg: ohne Oma und/oder Kindermädchen wär´s nicht gegangen. Aber leider bald wieder. Meine Kinder sind jetzt 12 und 9 Jahre alt. Ich kann sie schon zeitweise alleine lassen. Der älteren ist das sogar ganz recht ;-) Jaja, so schnell geht´s. Vor kurzem hab ich noch Muttermilch abgepumpt um arbeiten zu gehen, jetzt steht das Cola im Kühlschrank (nein stimmt nicht, klingt aber cooler als „Leitungswasser“) und das Kindermädchen rufe ich nur mehr aus sentimentalen Gründen an.
Kleiner ist großartig
Als ich mich vor mehr als 4 Jahren selbständig gemacht habe, war mir klar, dass es wohl eher die Kleine Agentur als die große werden würde. Ich habe mich ganz bewusst für „downsizing“ entschlossen: ich wollte für meine Kunden das leisten, was ich konnte (im Sinne von Erfahrung und Zeitressource) und dennoch die begrenzte Zeit, die Kinder mit ihren Müttern/Eltern verbringen wollen, möglichst ausnützen. Also: professionelle Werbeagentur mit eingeschränkten Öffnungszeiten – ab 16.00 Uhr bin ich nur mehr Mama. Auf diese weise ich auch alle meine (potenziellen) NeukundInnen hin. Bisher konnte einer nicht damit. Umgekehrt konnte ich mit einigen nicht ;-)
Die Kunst nein zu sagen
Bei meinem jährlichen Bankgespräch stellt mann mir immer wieder die Frage nach Wachstum. Und mann ist dann ganz erstaunt, wenn ich aus dem Brustton der Überzeugung sage: „Ich will nicht wachsen. Es ist gut wie es ist.“ Im männlichen und globalwirtschaftlichen Denken ist das nicht vorgesehen. Ein großes Fragezeichen ergießt sich aus dem Banker-Kopf und manifestiert sich auf den Notizen zu meinem Überziehungsrahmen. Damit kann ich – mittlerweile – gut leben. Wie ich auch gut leben kann mit unternehmerisch schmerzhaften Entscheidungen: Ich musste bereits 2 potenzielle Kunden ablehnen, weil sie einfach zu groß für die Kleine Agentur waren. Und MitarbeiterInnen aufnehmen? Nein. Noch nicht. Die Verantwortung ist mir einfach zu groß und steht in keiner Relation zum potenziellen Gewinn. (Und wer sich schon Mal ausgerechnet hat, wie viel mehr Umsatz frau machen muss um sich eine anständig bezahlte Mitarbeiterin zu leisten, weiß was ich meine).
Die Arbeit im Esszimmer
Also besteht die Kleine Agentur aus mir und vielen FreiberuflerInnen, die ich – ja ich geb´s zu – nur dann anrufe, wenn ich etwas brauche. Die Arbeit findet im Esszimmer statt. Und obwohl ich den ganzen Tag heizen und beleuchten und und und muss, kann ich die Kosten nicht von der Steuer absetzen, weil eben Esszimmer – aber das ist eine andere Geschichte. Meine Pausen bestehen aus Wäscheaufhängen, Einkaufszettel schreiben, Katzenklo putzen. Dennoch bin ich entspannter als damals, als ich in einem eigenen Büro arbeitete. Schwierig ist es, wenn die Kids Ferien haben und die Wohnung für sich beanspruchen. Es fällt ihnen dann schwer zu erkennen, dass die Frau, die sonst (meistens) springt, wenn sie was brauchen, dies nur bedingt macht. Und dass der Computer MIR und nur MIR gehört, auch wenn er im Esszimmer steht.
Ein halber Tag
Ein halber Tag in der Woche gehört (theoretisch) ganz mir. Da übernimmt der Mann KinderundHundundEinkaufundKochen. Seit neuestem mache ich an diesem Abend Zumba®: ein ziemlich verrücktes lateinamerikanisches Tanz/Fitness-Programm. Dann noch Biosauna und Sushi und ich bin vers(ch)öhnt.
Weniger ist mehr
Zugegeben, wir sind nicht ausschließlich auf mein Einkommen angewiesen – dann wäre ich wahrscheinlich nicht so locker. Ich verdiene jetzt weniger als vor 5 Jahren. Wobei – heruntergebrochen auf die Arbeitsstunde – stimmt es wahrscheinlich gar nicht. Das Ansehen, ja das wird weniger: kleinere, weniger bedeutende Kunden, keine Millionen zu verplanen, keine Einladungen zu chicen Events, keine Preise zu gewinnen. Dafür Lebensqualität.
Und wenn die Kinder in ein paar Jahren das Interesse verlieren, dann kann aus der Kleinen Agentur immer noch die große werden. Und jetzt hör ich auf, weil heute ist Mittwoch ;-)
_______________
Alexandra Fiedler-Lehmann hat 2 Kinder im Alter von 12 und 9 Jahren und ist seit 2004 Eigentümerin der Kleinen Agentur, einer Werbeagentur für KMU.
Die Illustration ist von Carla Müller - siehe auch www.flowgold.com
Kleiner ist großartig
Als ich mich vor mehr als 4 Jahren selbständig gemacht habe, war mir klar, dass es wohl eher die Kleine Agentur als die große werden würde. Ich habe mich ganz bewusst für „downsizing“ entschlossen: ich wollte für meine Kunden das leisten, was ich konnte (im Sinne von Erfahrung und Zeitressource) und dennoch die begrenzte Zeit, die Kinder mit ihren Müttern/Eltern verbringen wollen, möglichst ausnützen. Also: professionelle Werbeagentur mit eingeschränkten Öffnungszeiten – ab 16.00 Uhr bin ich nur mehr Mama. Auf diese weise ich auch alle meine (potenziellen) NeukundInnen hin. Bisher konnte einer nicht damit. Umgekehrt konnte ich mit einigen nicht ;-)
Die Kunst nein zu sagen
Bei meinem jährlichen Bankgespräch stellt mann mir immer wieder die Frage nach Wachstum. Und mann ist dann ganz erstaunt, wenn ich aus dem Brustton der Überzeugung sage: „Ich will nicht wachsen. Es ist gut wie es ist.“ Im männlichen und globalwirtschaftlichen Denken ist das nicht vorgesehen. Ein großes Fragezeichen ergießt sich aus dem Banker-Kopf und manifestiert sich auf den Notizen zu meinem Überziehungsrahmen. Damit kann ich – mittlerweile – gut leben. Wie ich auch gut leben kann mit unternehmerisch schmerzhaften Entscheidungen: Ich musste bereits 2 potenzielle Kunden ablehnen, weil sie einfach zu groß für die Kleine Agentur waren. Und MitarbeiterInnen aufnehmen? Nein. Noch nicht. Die Verantwortung ist mir einfach zu groß und steht in keiner Relation zum potenziellen Gewinn. (Und wer sich schon Mal ausgerechnet hat, wie viel mehr Umsatz frau machen muss um sich eine anständig bezahlte Mitarbeiterin zu leisten, weiß was ich meine).
Die Arbeit im Esszimmer
Also besteht die Kleine Agentur aus mir und vielen FreiberuflerInnen, die ich – ja ich geb´s zu – nur dann anrufe, wenn ich etwas brauche. Die Arbeit findet im Esszimmer statt. Und obwohl ich den ganzen Tag heizen und beleuchten und und und muss, kann ich die Kosten nicht von der Steuer absetzen, weil eben Esszimmer – aber das ist eine andere Geschichte. Meine Pausen bestehen aus Wäscheaufhängen, Einkaufszettel schreiben, Katzenklo putzen. Dennoch bin ich entspannter als damals, als ich in einem eigenen Büro arbeitete. Schwierig ist es, wenn die Kids Ferien haben und die Wohnung für sich beanspruchen. Es fällt ihnen dann schwer zu erkennen, dass die Frau, die sonst (meistens) springt, wenn sie was brauchen, dies nur bedingt macht. Und dass der Computer MIR und nur MIR gehört, auch wenn er im Esszimmer steht.
Ein halber Tag
Ein halber Tag in der Woche gehört (theoretisch) ganz mir. Da übernimmt der Mann KinderundHundundEinkaufundKochen. Seit neuestem mache ich an diesem Abend Zumba®: ein ziemlich verrücktes lateinamerikanisches Tanz/Fitness-Programm. Dann noch Biosauna und Sushi und ich bin vers(ch)öhnt.
Weniger ist mehr
Zugegeben, wir sind nicht ausschließlich auf mein Einkommen angewiesen – dann wäre ich wahrscheinlich nicht so locker. Ich verdiene jetzt weniger als vor 5 Jahren. Wobei – heruntergebrochen auf die Arbeitsstunde – stimmt es wahrscheinlich gar nicht. Das Ansehen, ja das wird weniger: kleinere, weniger bedeutende Kunden, keine Millionen zu verplanen, keine Einladungen zu chicen Events, keine Preise zu gewinnen. Dafür Lebensqualität.
Und wenn die Kinder in ein paar Jahren das Interesse verlieren, dann kann aus der Kleinen Agentur immer noch die große werden. Und jetzt hör ich auf, weil heute ist Mittwoch ;-)
_______________
Alexandra Fiedler-Lehmann hat 2 Kinder im Alter von 12 und 9 Jahren und ist seit 2004 Eigentümerin der Kleinen Agentur, einer Werbeagentur für KMU.
Die Illustration ist von Carla Müller - siehe auch www.flowgold.com





